English version of this page

Angedacht – Gedanken zum Monatsspruch

Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut. Matth. 2,10

Wir finden diesen Monatsspruch in der Weihnachtsgeschichte, wie sie Matthäus überliefert hat. Die Weisen – die direkte Übersetzung des griechischen Wortes wäre Magier, aber das ist vom heutigen Standpunkt eher missverständlich – waren durch die Beschäftigung mit den Sternen auf einen besonderen Stern aufmerksam geworden. Es war für sie ein Zeichen, dass etwas Bedeutendes geschehen würde. Also machten sie sich auf den Weg und folgten dem Stern. Wahrscheinlich kamen sie aus dem Zweistromland, wo die Sternkunde eine bedeutende Stellung hatte. Nach der Bibel kamen sie aus dem Morgenland, das heißt aus dem Land, über dem die Sonne aufgeht.

Als sie in die Nähe Jerusalems kamen, verloren sie den Stern aus den Augen; vielleicht, weil sie meinten, nur noch zum Königspalast gehen zu müssen oder weil es zu viele andere Ablenkungen gab. Nachdem sie festgestellt hatten, dass der neugeborene König nicht in Jerusalem zu finden war, waren sie enttäuscht. König Herodes gab ihnen dann den Tipp, nach Bethlehem zu gehen, weil die Schriftlehrten in der Bibel einen Hinweis gefunden hatte, dass der Messias dort geboren würde. (Micha 5, 1-3)

Dies machte ihnen wieder Mut zu suchen, und als sie den Stern wiedersahen, waren sie hocherfreut. Das war für sie das Zeichen, dem sie sich anvertrauten. Wie ein Navigationssystem heute sollte er ihnen den Weg weisen.

Hinter uns liegt der Ewigkeitssonntag. Wir erinnern uns an die Verstorbenen, machen uns unsere eigene Sterblichkeit bewusst und erkennen, dass wir auf dem Weg zu Gott sind. Die Weisen waren auch auf dem Weg. Sie hatten das Ziel aus den Augen verloren. Aber sie es neu entdeckt. Als sie den Stern sahen, waren sie hoch erfreut und machten sich neu auf den Weg zu Jesus. Sie hatten zwischendurch die Orientierung verloren, waren abgelenkt.

Im Lauf unseres Lebens verlieren wir schnell die Orientierung. Wie bei einer Bergwanderung sehen wir am Anfang noch das Gipfelkreuz, aber wenn es dann durch Schluchten und an überhängenden Felsen entlang geht, verlieren wir schnell das Ziel aus den Augen. Es ist ja auch nicht der gerade Weg. Wir sind getauft, sind auf dem Weg zu Gott und wir werden sehr schnell von dem Alltag mit all seinen Beschwernissen und Plagen gefangen genommen. Da ist der Beruf oder die Familie, die uns fordern. Manchmal ist die Sorge im Alter vorrangig, und wir sehen nur noch den allernächsten Schritt.

Wir befinden uns in der Adventszeit. Weihnachten steht vor der Tür. Eigentlich ist es eine Zeit zum Innehalten. Schauen wir einmal auf aus unserer Begrenztheit und schauen auf den Stern, der uns den Weg weist. Lassen wir uns führen von dem Stern von Bethlehem. Lassen wir uns neu den Weg zeigen, der unserem Leben Ziel und Richtung gibt.

Werner Wiebe