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Angedacht – Gedanken zum Monatsspruch

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Röm. 8, 18

Auf den ersten Blick fragt man sich, ist das Todessehnsucht bei Paulus oder Vertröstung auf ein besseres Leben im Jenseits? Für Karl Marx gipfelten diese und ähnliche Aussagen der Bibel in dem Satz: „Religion ist Opium für das Volk“.

Doch zu diesem Schluß kommt man nur, wenn man den Vers nicht im Zusammenhang liest. Karl Marx konnte diese These nur aufstellen, weil sich die Kirchen mit den Mächtigen und Reichen der Welt verbündet hatten. Und die Armen und Unterdrückten wurden mit der Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits zufrieden gestellt.

Wenn man das gesamte 8. Kapitel des Römerbriefes liest, merkt man: Hier geht es um das Einssein mit Christus, die Teilhabe an seiner Erlösung. Er hat unsere Strafe getragen, er hat die Gerechtigkeit Gottes erfüllt. Weil Gott Christus von den Toten auferweckt hat, wird er das auch mit uns tun. Paulus beschreibt das so: „Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.“ (Vers 17)

Diese enge Verbundenheit mit Christus und das Wissen um die Auferstehung lassen uns mit dem persönlichen Leid anders umgehen.

Soweit die Theorie. Jedoch im normalen Leben ist das nicht so leicht umzusetzen. Ich denke dabei noch nicht einmal an die verfolgten Christen in Nordkorea, China und in vielen anderen Ländern der Erde. Nein, manchmal empfinden wir auch hier in unserem ruhigen Wohlstandsland ein Leiden. Da ist der alte, betagte Mann in der Nachbarschaft, inzwischen Mitte 90, der seine Frau vor fast 20 Jahren durch eine Krebskrankheit verloren hat. Er selber ist nach einem Schlaganfall mit Verständigungsproblemen geplagt. Da ist der Mann Anfang 50, der plötzlich durch eine Gehirnblutung zum schweren Pflegefall wird und von den über 80-jährigen Eltern aufopferungsvoll betreut wird. Oder die alte Dame, die ihr Hab und Gut bereits früh den Verwandten vermacht hat, und jetzt einsam und verbittert lebt. Ich denke auch an die Familie des kleinen Julen in Spanien, der trotz dramatischer Rettungsaktion nur noch tot geborgen werden konnte. Oder eine Frau gerät mit zwei Kindern in einen Autounfall und das knapp zwei-jährige Kind stirbt.

Die Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen, und jeder von uns könnte ein anderes Schicksal, ob selbst erlebt oder in der nächsten Nähe, hinzufügen. Der Glaube an Gott und die Erlösung durch Jesus Christus kann Trost und Zuversicht schenken. Wir sind mit Christus verbunden, er kennt unsere Situation. Er ist im Leben und im Tod bei uns. In einer Todesanzeige der letzten Woche las ich: „geboren zum Sterben am 22.01.1925 – gestorben zum Leben am 22.01.2019“. Besser kann man unser Leben und die Gewißheit der Ewigkeit nicht beschreiben.

Werner Wiebe