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Angedacht – Gedanken zum Monatsspruch

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Matthäus 28,20

Als ich mir den Monatsspruch anschaute, fragte ich mich erst einmal, ob man die Aussage: „… bis an der Welt Ende“ nicht geographisch interpretieren muss. Ein Blick in den Grundtext lehrte mich eines Besseren. Es ist eindeutig zeitlich gemeint. Wie aber war ich darauf gekommen? Wahrscheinlich hatte ich an den Text aus der Apostelgeschichte (1,8) gedacht. Dort geht es bei der Himmelfahrt um die geographische Ausbreitung des Evangeliums.

Aber hier bei Matthäus ist eindeutig das zeitliche Ende der Welt gemeint. Wörtlich steht da: „… bis ans Ende dieses Zeitalters.“ Geht diese Welt ihrem Ende entgegen, mag man sich angesichts dieser Aussage fragen. Ja sicher, aber es ist nicht die Hauptaussage. Wir leben in einer bedrohten Welt, und wir wissen, dass diese Erde keinen Bestand hat. Hatten wir noch geglaubt, nach dem Ende des kalten Krieges würde die Gefahr einer atomaren Vernichtung gebannt sein, zeigt doch die politische Entwicklung, dass wieder neue Gefahren drohen. Das Drohpotential wächst, die Ressourcen schwinden, Klimawandel und Hunger bedrohen die Menschheit. Wir leben, als hätten wir noch eine Welt in Reserve.

Aber es geht bei diesem Vers nicht darum, uns darauf aufmerksam zu machen, dass diese Welt endlich ist. Nein, wesentlich ist, dass Jesus bei uns ist. Nicht umsonst ist der Ehrentitel, den Jesus in Jesaja 7 und 8 erhält: Immanuel, Gott ist mit uns. Für diese Zusage gibt es keine zeitliche Begrenzung. Sie hört nicht am Lebensende der Jünger auf. Sie gilt darüber hinaus bis an das Ende dieses Zeitalters.

Jesus macht seinen Jüngern diese Zusage, als er sie verlässt und zu seinem Vater im Himmel geht. Die Jünger haben drei Jahre mit ihm auf das Engste zusammen gelebt. Sie haben erfahren, dass er sie versorgt hat und ihnen in Gefahren beigestanden ist.

Jetzt ist er gekreuzigt und begraben worden. Wie haben sie sich gefreut, dass er auferstanden ist. Und nun will er sie wieder verlassen? Da sagt Jesus: Ich bin bei Euch, nicht nur drei Jahre, nein bis ans Ende dieses Zeitalters.

Und genau das können wir auch für uns in Anspruch nehmen. Wir haben Jesus in den verschiedensten Situationen unseres Lebens erfahren. Natürlich war diese Erfahrung nicht so intensiv wie die der Jünger. Aber wenn wir unser Leben bedenken, dann sehen wir die Spuren Gottes darin. Und deshalb können wir, auch wenn es schwierige Situationen im Leben gibt, gewiss sein, dass Gott da ist.

Paul Claudel, ein französischer Literat und Diplomat, sagte einmal: „Gott ist nicht gekommen, das Leid zu beseitigen, er ist nicht gekommen, es zu erklären, sondern er ist gekommen, es mit seiner Gegenwart zu erfüllen.“

Werner Wiebe