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Angedacht-Gedanken zum Monatsspruch

Gott ist treu.

1. Korinther 1, 9a

Was für eine Aussage! Normalerweise lese ich einen Bibeltext gern im Zusammenhang, weil er sich dadurch am Besten erschließt. Aber hier ist es gerade die Schlichtheit dieser drei Worte, die diese Aussage und nichts anderes betont. Das gilt und hat ewig Bestand.

In den Paulusbriefen finden sich noch mehrere dieser Aussagen über Gottes Treue. Manchmal betont Paulus die Treue Gottes auch im Gegensatz zur Untreue von uns Menschen. Wir sind leider nicht so zuverlässig wie Gott.

Gott ist treu, unabhängig von unserem Fühlen und Befinden. Unser Verhalten schwankt immer wieder hin und her, je nachdem wie wir z.B. unsere Mitmenschen erleben. Vor ein paar Tagen waren zwei unserer Enkel zu Besuch. Der Älteste hat etwas Probleme, Anweisungen zu befolgen. Wahrscheinlich ist das ganz normal. Aber ärgerlich, zum Teil auch gefährlich für ihn, kann das schon mal sein. Doch darf das unser Verhältnis belasten?

Gott ist anders. Er ist treu. Er steht zu seinen Zusagen. Schon sein Name, mit dem er sich von Mose am brennenden Dornbusch zu erkennen gab, drückt das aus: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ (2. Mo. 3, 14). Das bedeutet, er ist immer der Gleiche. Er ändert sich nicht, er ist nicht willkürlich.

Weil Gott der treue Gott ist, gelten seine Zusagen immer, für alle Zeiten. Er ist bei uns in jeder Situation. Weihnachten liegt hinter uns. Christi Kommen in die Welt ist verbunden mit dem Namen Immanuel: Gott ist mit uns. Und gerade weil Jesus bei uns Menschen lebte, kennt er unser Leid und ist gerade dann bei uns. Und dann gibt es noch jede Menge Zusagen, die Gott in seinem Wort macht: An Noah und seine Nachkommen, dass Saat und Ernte nicht aufhören; an Jesu Jünger beim Abschied, bei ihnen zu sein; in der Offenbarung, einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen und dass wir Teilhaber daran sein können. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Johannes betont in seinem ersten Brief, dass Gott treu und gerecht ist und die Sünden vergibt (1. Joh. 1, 9). Da brauche ich nicht ständig über mein Versagen zu grübeln, mich nicht ständig für mein Fehlverhalten anzuklagen, was ich alles falsch gemacht habe und wie ungerecht ich bin.

Treue hat im Griechischen denselben Wortstamm wie Glaube. Der Mensch glaubt und Gott ist treu. In diesen Zusammenhang passt auch die Jahreslosung 2020: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (Mk. 9, 24 ). Lassen wir uns von dem treuen Gott diesen Glauben schenken.

Lindolfo Weingärtner, ein lutherischen Pfarrer in Brasilien, schrieb in seinem Buch „Wer gesehen hat muss schreien“ das folgende Gedicht:

DU BIST, DER DU BIST

Herr,
meine Not ist,
dass ich immer wieder
meine Stimmungen auf dich projiziere.
Ich meine, du seist traurig,
wenn ich traurig bin,
du denkest nicht an mich,
wenn ich nicht an dich denke.
Ich mache dich
zu einem Spiegel meiner Seele
und sehe dann nichts anderes in dem Spiegel
als mich selbst.
Ich tilge das Gefälle
zwischen dir und mir
und verhindere so,
dass deine Gnade in mich fließt,
dass dein Wort mich wandelt.

Vergib mir, Herr,
meinen Bilderdienst!
Zeige mir, dass du bist,
der du bist:
der Gott der Treue,
der unwandelbaren Liebe,
der Gott, der größer ist
als mein wankelmütiges Herz,
der sich in Jesus Christus
festgelegt hat
für Zeit und Ewigkeit
als der Erlöser und der Erbarmer.

Du Gott der Wahrheit,
wandle du mein Herz!

Das Copyright für das Gedicht hat der Erlanger Verlag für Mission und Ökumene, Neuendettelsau

Werner Wiebe