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Angedacht-Gedanken zum Monatsspruch

Es wird gesät verweslich
und wird auferstehen unverweslich.

1. Korinther 15, 42

Statt Verwesungsgeruch
Zukunftserwartung!

Seit mehr als 60 Jahren weiß ich, wie der Tod riecht. Damals stand ich an der Bahre meines Vaters. – Die Erinnerung daran treibt mir immer noch jenen süßlichen Geruch in die Nase. Das irritiert mich. Ich wehre mich dagegen!

Verwesungsgerüche sind uns fremd: Unsere Tiefkühlkost ist geruchs- und keimfrei. Kühlschränke halten das Gemüse frisch. Und in unseren Kliniken riecht es nach Sterilium, nicht nach Krankheit, Siechtum und Tod.

Verwesungsgeruch

Der Apostel Paulus widmet in seinem ersten Brief an die Korinther ein ganzes Kapitel dem Thema Leben, Sterben und Auferstehen: Er erinnert an den Mann Gottes, Jesus aus Nazareth. Er nennt ihn Christus, der den garstigen Graben überwunden hat und als Menschensohn Gott gehorsam war – bis zum Tode am Kreuz. – Verleumdung, Leiden und Sterben hat er auf sich genommen und auf diesem einzigartigen Weg den Tod überwunden.

Sein Beispiel, sein Gottvertrauen, seine hingebungsvolle Liebe machen ihn zum Erlöser: „Er hat mit seinem Leben gezeigt, was Liebe ist…“ (EG 168, 6). Damit wurde er zum Anfänger und Vollender unseres Glaubens, wurde zum Wegweiser des ewigen Lebens.

Das neue Lied

Paulus übernimmt das Christuslied. Er singt die Melodie, die Ewigkeitswert hat. Weiterführend und zukunftsoffen formuliert er: „Was begraben wird, ist schwach und hässlich; aber was zum Leben erweckt wird, ist stark und schön. Im Grab liegt ein Körper, der vom natürlichen Leben beseelt war. Als ein Körper, der ganz vom Geist Gottes beseelt ist, wird er zu neuem Leben erweckt.“ (1. Korinther 15, 43 – 44 aus: Die Gute Nachricht, Das Neue Testament in heutigem Deutsch).

Vor Christus wusste man nur dies: „Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.“ (Psalm 103, 15 – 16).

Nach Christus wissen wir mehr. Soll’s da bei der „alten Leier“ bleiben? Oder wollen wir ein neues Lied lernen und singen? – Der Monatsspruch für den Ostermonat April stellt uns vor die Wahl: Verwesungsgeruch oder ein Hauch von Ewigkeit?

Blankes Entsetzen

Die gegenwärtige Corona-Krise erschüttert uns. Sie erschüttert unser Gottvertrauen. In dieser Situation erreichte mich eine amtliche Nachricht unseres Küsters mit der Bitte, die „neue Lage“ weiterzusagen: „Aufgrund der allgemeinen gesundheitspolitischen Maßnahmen empfiehlt die Hannoversche Landeskirche, alle Gottesdienste zunächst bis zum 19. April abzusagen. Wir folgen dieser Empfehlung…“

Ich reagierte bestürzt. Drei Fragen drängten sich mir auf:

  1. „Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?“ – Diese Jesus-Frage galt den verängstigten Jüngern in vermeintlicher Todesnot.
  2. Soll die christliche Gemeinde nicht gerade in Notzeiten zu anhaltendem Gebet und Fürbitte einmütig beieinander bleiben?
  3. Sollen wir wirklich „im stillen Kämmerlein“ allein unser kummervolles Gebet sprechen?

Helle Freude

Meine Irritation wechselte bald in eine erfreuliche Überraschung: In kirchlichen Breiten entfaltete sich eine beachtliche Kreativität. Dem lähmenden Entsetzen – verursacht durch das neue Virus – folgten einfallsreiche Aktivitäten einzelner Christenmenschen, Gemeinden und Kirchenleitungen.

Man akzeptierte, dass Grenzen und Barrieren errichtet werden mussten. Aber Grenzen in den Herzen sollten nicht hochgezogen werden! Jedes offene Ohr, jedes freundliche Wort und jede helfende Hand zählen und bedeuten viel! Und es gibt davon die Fülle. Gott Lob!

Christenmenschen vertrauen darauf, dass Gott ein Freund des Lebens ist. Und sie sagen es auf vielfältige Weise weiter: „Gott liebt uns Menschen und leidet mit uns. Gott will das Unheil nicht. Nicht das Unheil hat darum das letzte Wort, sondern das Heil, das uns von Gott verheißen ist.“

So bleibt Gottes Lied vom Leben unter uns laut. Verheißungsvoll und zukunftsoffen. Das hat Ewigkeitswert.
Friedhelm Klein, Celle