im Zinzendorfhaus in Neudietendorf vom 14. bis 16. Oktober 2026
Zum dritten Mal hat der Konvent der EZG im Zinzendorfhaus in Neudietendorf stattgefunden, nachdem wir beschlossen haben, jährlich zwischen den Tagungsorten Jerichow und Neudietendorf zu wechseln. 27 Personen haben an dem Konvent teilgenommen, etwas weniger als in den Vorjahren. Von allen wurde die Atmosphäre des Hauses als sehr wohltuend empfunden. Der Vorteil gegenüber Jerichow ist zweifellos, dass alles in einem Gebäudekomplex möglich ist: die Gespräche im Tagungsraum mit dem schönen Namen „Himmlisches Jerusalem, das gemeinsame Essen im Speisesaal, die Andachten im Raum der Stille, das abendliche Zusammensein in der Cafeteria und auch das Schlafen.

Am Beginn des Konvents stand wie üblich eine Vorstellungsrunde. Erfreulicherweise waren drei Personen aus Interesse gekommen, um mehr über die EZG zu erfahren und sich evtl. für eine Mitarbeit zu entscheiden. In Gruppen wurde über Erfahrungen aus den Gastdiensten und dem Präsenzdienst diskutiert.
Nicht immer erfolgt die Übergabe reibungslos, da manche Gemeinden nicht die nötigen Informationen im Vorfeld übermitteln. Angeregt wird, den Kirchengemeinden künftig eine Checkliste für die Übergabe zukommen zu lassen. Nach der Gruppenarbeit stellte sich Pfarrerin Ulrike Wolter-Victor vor, die in der EKM die Begleitung für die Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst übernommen hat. Sie bietet z.B. Kurse zur Vorbereitung auf den Ruhestand an und will künftig auch auf die Arbeit der EZG hinweisen.
Regionalbischöfin Bettina Schlauraff hat am ersten Abend über aktuelle Entwicklungen in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland berichtet. Gegen die Kritik, die Kirche sei zu politisch geworden, betonte sie: „Wir verkündigen das Evangelium, beten und feiern Gottesdienste.“ Ein zentrales Thema sind die Strukturen der Kirche, in der die Zahlen der Gemeindeglieder oft niedrig sind, die Gebiete aber riesig. Es geht um Fusionen von Kirchenkreisen oder die Bildung von Kirchenkreisverbänden. Auch über die Fusion von Landeskirchen wird nachgedacht. 80% bis 90% der Mitglieder der Landesynode in der EKM sind neu. Als neuen Berufszweig soll es den Gemeinderefent/die Gemeindereferentin geben, der/die Aufgaben aus dem Pfarramt übernimmt. Auf Anweisung der EKD werden Dienstvereinbarungen eingeführt, die Aufgaben, Arbeitszeit u.a. regeln. In Gemeinden, die an ein Ende gekommen sind, sind Prozesse der Exnovation nötig, um dieses Ende sinnvoll zu gestalten.
Bettina Schlauraff berichtete, dass im Zusammenhang mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt viele Aktivitäten stattgefunden haben, die gemeinschaftsstiftend gewirkt haben. Die EKM hat einen zweifachen Weg eingeschlagen: sie wollte eine klare Position beziehen und zugleich im Gespräch mit den Menschen bleiben. Die Kirche wurde in der Öffentlichkeit als ein Hauptplayer wahrgenommen. Zahllose Interviews mit kirchenleitenden Personen zeigten die große Aufmerksamkeit der Medien, auch der ausländischen. Die eindeutige Positionierung der Kirche hat aber auch zahllose Hassmails bis hin zu persönlichen Bedrohungen zur Folge gehabt.
Anschließend habe ich über einige Erfahrungen aus der Arbeit der EZG berichtet. Das Erstarken der AfD und der Riss, der durch die Gesellschaft geht, hat Folgen auch für unsere Einsätze in den ostdeutschen Gemeinden. Deshalb habe ich dafür plädiert, dass wir uns als EZG zur aktuellen politischen Situation nach der Landtagswahl äußern und unsere Solidarität bekunden mit den Menschen in den Kirchengemeinden, die von außen angefeindet werden. Eine Erklärung unter dem Motto „Jetzt erst recht!“ haben wir am zweiten Abend nach intensiver Diskussion verabschiedet. 2026 haben 28 Gastdienste stattgefunden: 17 in der Ev. Kirche in Mitteldeutschland, 10 in der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, außerdem einer in Mecklenburg. Es gab in diesem Jahr deutlich weniger Anfragen als sonst. Ein Problem war auch, dass nur gut die Hälfte der Mitglieder einen Dienst übernommen hat. Anlass für die Gastdienste waren vor allem Vakanzen und Elternzeiten, Urlaubsvertretungen gehen dagegen deutlich zurück. Der Präsenzdienst in der Klosterkirche Jerichow konnte von Mitte Juni bis Ende August durchgehend stattfinden mit insgesamt zwölf Personen.

Am Mittwoch fuhren wir im Rahmen einer Exkursion nach Eisenach, die von Manfred Hilsemer hervorragend vorbereitet war. Zu Beginn hielt Superintendent Fuchs eine nachdenkliche Andacht in der Georgenkirche, in der einst Johann Sebastian Bach getauft wurde. Er stand danach zum Gespräch zur Verfügung über die Situation im Kirchenkreis. Beeindruckend war die Begegnung mit Oberbürgermeister Ihling, der die wirtschaftliche und politische Situation in Eisenach schilderte und zahlreiche Fragen beantwortete. Am Nachmittag hat unsere Gruppe an einer Führung durch die Ausstellung über das Kirchliche „Entjudungsinstitut“ 1939 bis 1945 im Lutherhaus teilgenommen.
Direktor Dr. Birkenmeier hat anhand zahlreicher Schaubilder die Vorgeschichte und die Arbeitsweise des Instituts geschildert, das sich zur Aufgabe gemacht hatte, den jüdischen Einfluss auf das deutsche kirchliche Leben zu erforschen und zu beseitigen. In einer Zeit, in der Verschwörungstheorien und Rassenhass wieder auf dem Vormarsch sind, ist diese Ausstellung, die ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte beleuchtet, besonders wichtig. Zum Abschluss kamen wir in der Kapelle des ehemaligen katholischen Elisabeth-Krankhauses zu einer Andacht zusammen, die vom katholischen Pfarrer Wehner gehalten wurde.
Am Abend informierte Matthias Weismann aus Meißen über die Ev. Zehntgemeinschaft Sachsen. Ihr gehören derzeit 35 „hilfsbereite Glieder“ an, sie hat sich aber seit ihrer Gründung 2018 anders entwickelt als die EZG Jerichow. Bei den Einsätzen geht es meist um die Übernahme einzelner Gottesdienste und Beerdigungen. Angefragt wird die EZG dort, wo es Vakanzen gibt, vor allem im Osterzgebirge. Von Superintendenten wird teilweise kritisiert, dass die EZGler die Umgestaltung der Kirche behindern.
Am Freitagvormittag hatten wir Hendrik Mattenklodt, Superintendent für den Kirchenkreis Gera, eingeladen. Er berichtete, wie sich sein Kirchenkreis mit einem neuen Konzept im Rahmen des Erprobungsgesetzes der EKM den gegenwärtigen Herausforderungen stellt. 2002 gehörten dem Kirchenkreis 21.000 Gemeindeglieder an, 2024 nur noch 13.100 Gemeindeglieder in 58 Kirchgemeinden mit über 100 Kirchen und Gemeindehäuser und 23 Hauptamtlichen. Für 2040 wird erwartet, dass die Zahl der Gemeindeglieder auf ca. 9.000 sinkt bei 10 Hauptamtlichen. Der Kirchenkreis Gera hat auf die Bildung mehrerer Regionen verzichtet und stellt eine Region dar. Statt ein Vollprogramm anzubieten, sollen die Gemeinden eigene Profile ausbilden. Leitfrage ist: Was haben andere davon, dass es uns gibt? Im Kirchenkreis wurden zehn Ausstrahlungsorte benannt, in denen sich die kirchliche Arbeit konzentriert. Zu jedem Ausstrahlungsort gehört ein Ausstrahlungsbereich. Dieses Konzept bedeutet die Auflösung von Parochie, Gemeinde und Pfarrbereichsgrenzen. In den Ausstrahlungsorten findet ein wöchentlicher Gottesdienst zur selben Zeit, am selben Ort mit erkennbarem Profil und möglichst breitem Spektrum statt, verlässliche, regelmäßige Angebote für die nachfolgende Generation sowie für Erwachsene und Senioren, qualitativ gute kirchenmusikalische Arbeit und die Entwicklung einer diakonischen Kompetenz. Nach diesem Konzept sollen die Ausstrahlungsorte gefördert werden, die Fläche soll aber nicht ausbluten. In jedem Ausstrahlungsbereich wurde ein sog. „Geistlicher Rat“ eingesetzt, der die Seelsorge, den Gottesdienst, den Gemeindeaufbau und die Profilentwicklung in den Blick und ins Gebet nimmt. Dem Geistlichen Rat kann jede/r angehören, die/der getauft und an der Entwicklung von Kirche interessiert ist. Wichtig für die Arbeit der EZG ist die Auskunft von Sup. Mattenklodt, dass Urlaubsvertretungen im Kirchenkreis geregelt werden ohne Unterstützung von außen. Denkbar sind dagegen Einsätze der EZG bei Vakanzen und Eltern- bzw. Studienzeiten.
Während der Schlussrunde wurden Gudrun Laqueuer und Ulrich Seng erneut zu Mitgliedern des Vertrauenskreises gewählt. Das Feedback ergab, dass das Programm des Konventes wieder sehr voll, aber auch sehr interessant war. Die Frage, wie künftig mit der AfD und den Menschen, die ihr nahestehen, umgegangen werden soll, wird uns weiter beschäftigen. Mehrfach gelobt wurde die gute Gemeinschaft während des Konvents. Zitat: „Es ist gut in einer Gemeinschaft aufgehoben zu sein, die Hoffnung hat.“ Besonders während der Andachten im Raum der Stille wurde diese Gemeinschaft untereinander erfahrbar.
Der nächste Konvent wird wieder in Jerichow stattfinden, voraussichtlich von Donnerstag, 14. Oktober, bis Samstag, 16. Oktober 2027.
Hermann de Boer
