Angedacht-Gedanken zum Monatsspruch

Februar 2026

Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.

5. Mose 26,11

Beim Niederlegen der sogenannten Erstlingsfrüchte und des Zehnten vor dem HERRN, seinem Gott, soll der fromme Israelit so zu sich selbst sprechen. Und der für den Tempeldienst zuständige Levit und auch der Fremdling, der bei dir wohnt sollen mitprofitieren von dieser deiner Freude und Dankbarkeit angesichts all des Guten, das die Felder getragen und Gott dir geschenkt hat.

Ich verstehe dieses Wort als eine Art Selbstermunterung. Ein herzerhebendes Gefühl der Dankbarkeit und Freude möchte sich in der Zeit der Ernte im ganzen Land ausbreiten. Du selbst und deine Familie, ihr hattet ein gutes Jahr, habt den Segen Gottes auf den unterschiedlichen Feldern eures Lebens verspürt und dürft nun voller Freude auch andere daran teilhaben lassen.

In der Nachfolge und anstelle des frommen Israeliten aus dem 5.Buch Mose sind heute wir, die Leserin und der Leser dieser Andacht, bin also auch ich, angesprochen, einen frohen Erntedank nicht – wie in unseren Breiten – auf einen Monat im Herbst beschränkt sein zu lassen.

Die hier „angemahnte“ Freude hat ihren Grund. Gott hat etwas getan. Oder wer es lieber so mag: Mir ist etwas zuteilgeworden. Also schau mal hin, ob nicht auch du Grund hast, fröhlich zu sein.

Mir fiel als erstes ein, dass mir in meiner jetzigen Lebenslage viel freie Zeit geschenkt ist. Wertvolle Lebenszeit, über die ich relativ frei verfügen darf. Diesen besonderen, immer noch schätzenswerten Reichtum genieße ich nach den ersten Jahren im Ruhestand immer noch. Besonders morgens, wenn Herz und Sinne nach meist gut durchschlafener Nacht frisch sind. Als ein kostbares Gut für mich und meine Familie erachte ich auch die Gesundheit, soweit sie mir/ uns bis jetzt geschenkt ist. Ein Gut, das mit zunehmendem Alter weniger selbstverständlich wird.

Dies notierend verspüre ich sogleich auch den Hang, soll ich gar schreiben, den „natürlichen“ Hang, Sorgenvolles und Schweres zu artikulieren. Aber darauf (was wir ja auch in unseren Predigten so gerne getan haben und tun) soll heute mit Blick auf den Monatsspruch einmal bewusst verzichtet werden. Trauer, Bedrückung und Sorgen fordern schon von alleine ihr Recht und die Erschütterungen des Lebens bewegen uns mehr und oftmals auch nachhaltiger, als das, was uns gewiss und froh macht.

Der Monatsspruch für Februar lädt ein: Richte doch deinen Blick, den inneren Blick deines Herzens und auch den Blick deiner Augen – immerhin stammt dieses Wort, das wir als Ermahnung, Selbstermunterung, Erlaubnis lesen können, aus dem Zusammenhang eines Erntedankfestes – einmal sehr bewusst auf das Wohltuende und Gute, das hoffentlich in deinen jetzigen Lebensumständen sich auch zeigt.

Lebensfreude, gar Fröhlichkeit, das wissen wir alle sehr gut, lässt sich nicht machen. Sie gewollt herzustellen, misslingt. Sie braucht einen Grund, einen Anlass. Der fromme Israelit sah diesen im Handeln Gottes, das Wachstum und Gedeihen schenkt auf allen Feldern seines Lebens. Martin Luther etwa hat diesen geistlichen Blick in der Erklärung zum 1. Artikel des Glaubensbekenntnisses mit der häuslichen Andachtsgemeinde einzuüben versucht und ist dabei doch auch sehr ins Detail gegangen. Möchten solche „erleuchteten Augen des Herzens“ (Eph.1, 18), wie der Apostel oder die Mystiker das nennen, auch uns später Geborenen geschenkt werden. Mir scheint, sie sind der Schlüssel für die in unserem Monatsspruch angesprochene Freude für einen selbst und die ganze Familie.

Zum Bedenken:

Die Freude wählen
Ich habe keine Wahl
Zwischen
Leichtem und Schwerem
Dunkel und Licht
Freude und Schmerz

Immer aber
kann ich wählen
wohin mein Blick
mein Herz wendet:
froh statt verbittert
dankbar, lebendig
gelöst aus Erstarrung
befriedet in Dir

(aus: Cornelia Grzywa, Skulpturen und Texte, Beflügelt)

Helmut Golin, Pfr.i.R., Kirchhain

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