Bericht vom 27. Konvent der Evangelischen Zehntgemeinschaft

vom 16. bis 18. Oktober 2025 in Jerichow

Dass die Evangelische Zehntgemeinschaft eine Gemeinschaft ist, ist vor allem auf einem Konvent zu erleben. Reden und hören, singen und beten, miteinander ins Gespräch kommen und Erfahrungen austauschen, Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft erkennen und neue Impulse aufnehmen – all das vermittelt ein Konvent, zu dem die EZG ihre Mitglieder seit 1999 einlädt. In diesem Jahr haben 28 Personen teilgenommen. Einige waren zum ersten, andere zum letzten Mal dabei. Wie immer sind wir morgens und abends zu einer Andacht zusammengekommen, leider stand die Klosterkirche nicht jedes Mal zur Verfügung.

Abbildung 1  Klosterkirche Jerichow (Foto: Norbert Liebermann)

Der erste Tag stand im Zeichen des Rückblicks. In Gruppen stand der Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt. Gemeinsam reflektiert wurde, welche Aufgaben in den Gemeinden für die Gastdienstleistenden vorgesehen waren, wie gut die Zusammenarbeit mit den Haupt- und Ehrenamtlichen sich gestaltete und wie Gottesdienste, manchmal in kleiner Runde, gefeiert werden konnten. Einige Präsenzdienstleistende haben außerdem zu einer weiteren Gruppe in die Klosterkirche Jerichow eingeladen, um von ihren Erfahrungen im Sommer zu berichten und Begeisterung für diese herrliche romanischen Kirche zu wecken (was ihnen auch gelungen ist).

Abbildung 1  Klosterkirche Jerichow (Foto: Norbert Liebermann

Am Abend habe ich aus der Arbeit der EZG im Jahr 2025 berichtet. 37 Gastdienste haben stattgefunden: 22 in der Ev. Kirche in Mitteldeutschland (EKM), 13 in der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und zwei in Mecklenburg und Vorpommern. Drei Gemeinden mussten wir leider absagen, weil sich niemand für einen Gastdienst gefunden hat. Dafür konnten wir in einer Gemeinde, in der der Pfarrer erkrankt war, mit vier Gastdiensten kurzfristig für Unterstützung sorgen. Seit Jahren bleibt die Zahl der Mitglieder mit rd. 60 Personen konstant, sie kommen aus zehn Landeskirchen. Von Ende Juni bis Anfang September konnten wir wieder einen Präsenzdienst in der Klosterkirche anbieten. Allerdings ist die Zahl der Mitwirkenden recht klein. Wir hoffen, weitere für diese wichtige Aufgabe gewinnen zu können.

Bettina Schlauraff, Regionalbischöfin in Magdeburg und Mitglied des Vertrauenskreises der EZG, hat anschließend über Aktuelles aus der EKM berichtet. Weil ihr die Verbindung zu den Pfarrerinnen und Pfarrer im Ruhestand aus ihrer Landeskirche wichtig ist, hat sie sie zu einem Treffen eingeladen. Angesichts des Pfarrermangels ist außerdem ein Projekt in Planung, den Einstieg von Quereinsteigern in den Pfarrberuf zu erleichtern, die viel Erfahrung aus anderen Berufsfeldern einbringen können. Im Blick auf die Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt werden sich die Gemeinden der EKM mit Bannern und Veranstaltungen für einen offenen Diskurs einsetzen. Um den gesellschaftlichen Dialog zu stärken und die Demokratie zu fördern, beteiligt sich die EKM an der Initiative „Verständigungsorte“. Es geht darum, Menschen mit unterschiedlichen Positionen in Dialogforen zusammenzubringen, in denen sie miteinander reden, einander zuhören und die andere Meinung respektieren.

Der Freitag stand im Zeichen einer Exkursion nach Havelberg. Unser Ziel war der Dom Sankt Marien, der das Bild der Hansestadt bestimmt. Er war die Hauptkirche des Bistums Havelberg, das 946 oder 948 von König Otto I. gegründet wurde. Pfarrer Teja Begrich empfing uns zunächst im Paradiessaal, der für Veranstaltungen und auch als Winterkirche genutzt wird. Von den ca. 6.000 Einwohnerinnen und Einwohnern Havelbergs gehören rd. 600 zur Domgemeinde. Um das Gespräch auch mit Kirchenfernen zu suchen, organisiert Pfr. Begrich im Frühjahr und Herbst die „Havelberger Dialoge“, im Herbst 2025 etwa zum Thema „Jüdisches Leben in Deutschland“. Nach einer Andacht im Dom führte er uns durch die Kirche und zeigte uns, dass an vielen Stellen zu sehen ist, wie die ursprünglich romanische Kirche gotisch ergänzt wurde.

Abbildung 2  Dom zu Havelberg (Foto: Norbert Liebermann)

Am Abend trat im Gemeindehaus in Jerichow das Duo „Yestime“ mit Pfarrer Peter Lippelt und Kirchenmusiker Tilman Frieser auf. Mit ihrem Programm „Jazz trifft Gesangbuch“ boten sie einen vergnüglichen Gang durch 500 Jahre Evangelisches Gesangbuch, verpackt in Geschichten, Anekdoten, Fakten, Merkwürdigkeiten und viel Musik.

Abbildung 3  Domführung mit Pfarrer Begrich (Foto: Norbert Liebermann)

Am Samstag hatten wir Frau Dr. Katrin Rudolph als Referentin eingeladen. Sie war viele Jahre Superintendentin im Kirchenkreis Zossen-Fläming und gehört seit diesem Jahr dem Konsistorium der EKBO in Berlin an. In ihrem Vortrag ging sie zunächst auf Entwicklungen der Kirchenmitgliedschaft ein. Gehörten im Osten Deutschlands 1960 noch 94 % einer Kirche an, so sind aktuell im Kirchenkreis Zossen-Fläming noch 13 %, in Berlin-Stadtmitte 9 % Mitglied einer Kirche. Die Kirche stehe in der Spannung zwischen der soziologischen Deutung solcher Zahlen und der Tatsache, dass die Jesusbewegung keine Massenbewegung war, in der Spannung zwischen Alltagsmühen und dem Himmelreich. Als Kirche, so Frau Rudolph, werden wir gebraucht, weil die Welt nicht so bleiben kann, wie sie ist. Die Steuerung von Prozessen in der Kirche muss über die Kirchenkreise und Kirchengemeinden erfolgen. Dazu schilderte Frau Rudolph ein Beispiel aus dem Kirchenkreis Zossen-Fläming. Am 1. Sonntag im November fand in zahlreichen Gemeinden anstelle eines Gottesdienstes eine sog. „Zuversichtstankstelle“ statt. In mehreren Gesprächsrunden ging es um die Fragen: Was brennt mir unter den Nägeln? Was ist meine „Superkraft“ dafür? Was sind die ersten Schritte, um unsere Ideen umzusetzen? Dass der Vortrag mit großem Interesse aufgenommen wurde, zeigte sich in der anschließenden lebhaften Diskussion und dem anhaltenden Beifall.

Abbildung 4  Vor dem Dom in Havelberg (Foto: Renate de Boer)

Auch dieser 27. Konvent fand wieder ein sehr positives Echo bei allen, die teilgenommen haben. Wir freuen uns auf den nächsten Konvent, der wieder in Neudietendorf stattfinden wird: von Mittwoch, 14. Oktober, bis Freitag, 16. Oktober 2026.

Hermann de Boer

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